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EPISODE 3
Abgehoben, ausgeflogen.
Juli. Der Sommer hat nun sogar das hochgelegene St. Anna ob Bad Schwanberg erreicht. Während es im Schatten der Bäume noch gut auszuhalten ist, kommt man beim Wandern oder Spazierengehen schon gehörig ins Schwitzen. Flora und Fauna stehen in vollem Saft – überall zwitschert, brummt und zirpt es im Gras und von den Ästen.
Von einem wolkenlosen Himmel brennt die Sonne auf das CMM Buzzhouse herunter. Die Blüten auf der umgebenden Blumenwiese saugen genüsslich das grelle Licht auf und wandeln es in süßen Nektar um. Eine perfekte Stärkung für eine fleißige Biene, die gerade ihren Stock gegen eine Hornisse verteidigt hat! Ganz richtig, das war ich: Bea Bee, tapfere Wächterbiene. Im Gefecht gegen den viel größeren Eindringling habe ich mein Leben aufs Spiel gesetzt. Von all den Jobs im Bienenstock, die ich bisher ausprobieren durfte, habe ich hier definitiv am meisten glänzen können. In der ganzen Beute wird mein Name gesummt und getanzt, sodass meine Heldentat sogar unserer Königin zu Facettenaugen kommt. “Liebe Bea, als Belohnung für deinen wagemutigen Einsatz erfülle ich dir endlich deinen größten Wunsch: Du darfst das CMM Buzzhouse verlassen – und dein Leben als Wildbiene beginnen. Du hast gezeigt, dass du bereit dafür bist, es mit allem aufzunehmen.” Ich kann mein Glück kaum fassen. “Danke, Eure Majestät!”, summe ich aufgeregt und mache mich gleich auf den Weg zum Ausflugloch. Hier fächelt bereits eine ganze Gruppe Bienen die warme Luft aus dem Stock hinaus, ich winke ihnen zum Abschied zu. Zu Packen gibt es nichts – als Wildbiene bin ich von nun an auf mich allein gestellt.
Große, weite Welt, hier kommt Bea Bee!
Euphorisch hebe ich ab in die warme Sommerluft. Von überall wird mir der Duft von reifem Blütennektar zugeweht. Mit einer lauen Brise unter den Flügeln lasse ich mich von einer Blume zur nächsten tragen. Ich grabe mich tief in die Blütenkelche, um an den süßen Saft zu kommen, und lege mir dabei einen klebrigen Pollenmantel zu. Der Nektar ist einfach köstlich! Das finde aber nicht nur ich ... an der Nektarbar treffe ich auch viele andere Bestäuber: Mal macht mir eine freundlich brummelnde Hummel Platz, mal bewundere ich einen mit bunten Schwingen gaukelnden Schmetterling beim Abheben nach einem Trunk. Andere Honigbienen aus meinem und benachbarten Stöcken sind eifrig am Sammeln, um genug Honig für die Wintermonate zu produzieren. Auch Krabbelkäfer wollen sich am Blütennektar laben und klettern pollenbestäubt von einem Stengel zum nächsten.
Und dann passiert es: Endlich sehe ich sie – eine echte Wildbiene! Mit ihrem pelzigen, orangefarbenen Hinterleib sieht sie deutlich anders aus als meine eigenen Artgenossen. Fasziniert nehme ich die Verfolgung auf, schließlich kann ich von niemandem besser lernen, meine wilde Seite zu entdecken.
Obwohl sie kein Schwarmtier ist und keinerlei Aufgaben oder Verpflichtungen einem Stock gegenüber hat, ist diese Wildbiene weitaus weniger entspannt, als ich angenommen habe. Statt sich müßig herumzutreiben, wirkt sie gestresst. Zwischen all den Honigbienen und anderen Bestäubern eine freie Blüte zu finden, ist nicht leicht für sie. Sie scheint sich nicht recht an unsere Stöcke heranzutrauen, die streng bewacht werden, sondern sucht ihr Glück lieber auf einer anderen Wiese. Treu folge ich ihr, vorbei an weitläufigen Ackerfeldern, großen Rasenflächen, Ziergärten mit immergrünen Hecken – weit und breit ist keine bienenfreundliche Blüte in Sicht. Vielmehr riecht es hier nach Pestiziden, von denen mir ganz summelig wird.
Die Hitze beginnt, uns zu schaffen zu machen. Obwohl es hier Wasser in Hülle und Fülle gibt, hält sich meine Wildbienenfreundin von rauschenden Bächen und Swimmingpools fern. Zu groß ist die Gefahr, von einer Welle mitgerissen zu werden! Meine Kehle ist schon ganz trocken, und mein Flügelschlag wird langsamer. Immer mehr falle ich hinter meinem Idol zurück. Wo will sie nur hin?
Da erspähe ich sie: eine Bienentränke auf einer Terrasse! Völlig ausgedörrt lasse ich mich auf einem Ästchen nieder und sauge ein paar Tropfen in mich hinein. Bevor ich jedoch ein Wort an meine wilde Heldin richten kann, saust diese plötzlich wie von der Biene gestochen davon. Langsam drehe ich mich um.
Hinter mir sitzt auf einem Ast ein bunt gefiederter Vogel, die schwarzen Knopfaugen starr auf mich gerichtet. In seinem langen, spitzen Schnabel zuckt und sirrt verzweifelt eine Biene. SCHNAPP! Mit einem Haps ist meine Artgenossin heruntergeschluckt. Ein Bienenfresser! Bevor ich zu seinem Dessert werden kann, nehme ich die Flügel in die Hand.
Wisst ihr was? Ich habe es mir anders überlegt. Das Leben einer Wildbiene ist wahrlich kein Honigschlecken – ich habe einfach nicht das Zeug zu einer Solo-Karriere. Vielleicht in einem anderen Leben ... jetzt erstmal richte ich meine Antennen Richtung CMM Buzzhouse. Schließlich ist doch etwas daran, wenn man sagt: „Home sweet Home!“ Süße Grüße, eure Bea Bee.
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